15 Jahre Wikis

23. April 2010 von Steffen Doberstein

Kolumne von Bernhard von Guretzky

Vor gut zehn Jahren besuchte ich in der Münchner Residenz eine von der bayerischen Staatskanzlei gesponserte Veranstaltung zum Thema Wissensmanagement. Die Welt schien noch in Ordnung, China war weit weg, 9/11 lag in der Zukunft und die dot.com-Kultur beherrschte die Phantasien nicht nur der Investoren. Umso mehr versuchten die Dinosaurier wie IBM & Co., ihre alten Werte zu verteidigen. Der dort zur Schau gestellte Tenor ließ sich einfach umschreiben:

Wissensmanagement = viel Hardware + Lotus Notes

Kein Wunder, dass das Thema schnell wieder an Bedeutung verlor. Vier Jahre später habe ich an dieser Stelle einen Artikel veröffentlicht, der den Bogen von Wikis und den bekannteren Brüdern, den Blogs, zum Wissensmanagement zu spannen versuchte ( siehe Wikis, Blogs und Wissensmanagement). Mein Tenor damals war dem in der Münchner Residenz diametral entgegengesetzt: Wissensmanagement hat sehr wenig mit »Tools« zu tun sondern sehr viel mit Kommunikation. Umständlich zu beschaffende und zu bedienende Werkzeuge als auch Hierarchieebenen, die den angstfreien und ungehinderten Austausch von Ideen behindern, sind für Wissensarbeiter kontraproduktiv. Wikis dagegen sind anti-hierarchisch! Und der Abbau von Hierarchien – das wesentliche Erbe der New Economy – hilft Kreativität freizusetzen.
Wikis wurden damals i. A. von Einzelpersonen oder kleinen Gruppen installiert und betrieben und unterliefen damit die offizielle IT-Infrastruktur. Der IT-Bereich behandelte sie im besten Fall mit Indignation. Ihr Siegeszug war jedoch von den Eggheads nicht aufzuhalten, eben weil sie jeder, der es wirklich wollte, installieren konnte. Heute werden sich Unternehmen diesem Trend kaum noch verschließen wollen, sind Wikis doch als effiziente (weil billige und leicht zu bedienende) Werkzeuge für gemeinsames Arbeiten in Gruppen nicht mehr wegzudenken und sie werden zunehmend ergänzt durch Microbloggingdienste wie Twitter.
Ein Leben ohne Wikipedia ist heute nicht mehr vorstellbar, so wie Wikileaks als Anlaufstelle für Whistleblower dafür sorgt, dass die ungeheuerlichsten Mauscheleien ob von Politikern oder Vorständen nicht lange unter dem Teppich bleiben. Wikis tragen also zur Demokratie unserer Gemeinwesen bei und das ist das schönste »Geburtstagsgeschenk« (siehe auch 15 Jahre Wiki – eine Erfolgsgeschichte auch für Unternehmen?).

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