Bundesverband Wissensbilanz gegründet – Totengräber oder Hoffnungsträger?

Am 11. Mai hat sich unter Federführung des Berliner Fraunhofer IPK der Bundesverband Wissensbilanz gegründet. Seit (8?) Jahren wird die „Wissensbilanz – Made in Germany“ subventioniert. Nun findet die Förderung doch ein Ende. Als Reaktion darauf wurde der Verband gegründet, der nun die Idee der Wissensbilanz am Leben erhalten soll.

Der Verband dazu selbst: „Ziel des Bundesverbandes Wissensbilanzierung ist es, die Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch der Mitglieder und Interessierten zu fördern sowie praxisnah über die Wissensbilanz zu informieren und zu beraten.“

Immerhin 1.000 Wissensbilanzen wurden im Mittelstand nach eigenen Angaben erstellt, doch zum Durchbruch reichte es bislang nicht. Bei über 3,5 Mio. KMU in Deutschland würde selbst dann,  wenn das 1.000 Unternehmen entsprechen würde (was es sicher nicht ist, denn in der Zahl stecken gewiss auch Folgebilanzen), das 0,3 Promille entsprechen. Ein mehr als enttäuschendes Ergebnis. Dazu würde ich gern die Beträge an Steuergeldern gegenüber stellen, die in all den  Jahren geflossen sind.

Wird der Verband die Wissensbilanz retten können? Immerhin hat das Fraunhofer-Institut die Ressourcen, um die Idee am Leben erhalten zu können, doch für einen Durchbruch werden sie nicht reichen. Wird die Realität den Verband dazu zwingen, der Wissensbilanz die gerade noch notwendigen lebensrettenden Maßnahmen für einige Zeit zu verabreichen, um am Ende still und leise doch nur Totengräber zu sein?

Fragt sich, warum sich die Wissensbilanz nicht durchsetzen konnte. Kam die Idee zu früh? Ist der Begriff abschreckend oder nicht genug nutzenerkennend? Vielleicht, aber der wichtigste Aspekt ist wohl der, der mangelnden Unterstützung durch die Bundesregierung und anderer Institutionen. Was für einen Betrieb gilt, gilt auch für das Unternehmen Deutschland. Es ist mittlerweile Konsens, dass die Geschäftsführung auch im Wissensmanagment Vorbildwirkung hat und die Macht, Wissensmanagement durchzusetzen und das Wissensmanagement nur eine Chance hat von den Mitarbeitern angenommen zu werden, wenn sie einen Nutzen erkennen und es gar nicht umgehen können, weil es in die Prozesse quasi eingewoben wurde. So lange der Gesetzgeber keine Pflicht postuliert oder die Wissensbilanz nicht nur theoretisch indirekt und faktisch gar nicht die Bonität eines Unternehmens aufwertet, so lange wird es wohl keinen Durchbruch geben. Einfach nur einen Fördertopf aufmachen reicht eben nicht (und dessen Leerung ergibt auch keine Erfolgsmeldung).

Ich bin zwar der festen Überzeugung, dass langfristig nur Unternehmen überleben werden, die ein Minimum an systematischem Wissensmangement betreiben, doch die Wirkung ist sehr langfristig, da reden wir von Jahrzehnten und Generationen. Eine Zeit, die das Projekt Wissensbilanz nicht hat.

Was bleibt? Es gibt ein Tool, um Wissensmanagement systematisch im Rahmen eines Steuerungsprozesses zu betreiben und das kann uns keiner mehr wegnehmen. Oder bleibt uns nicht einmal das, weil es ein Irrweg war?

Das Ergebnis einer Umfrage dazu, die ich auf Xing gestartet habe: https://www.xing.com/app/newsfeed?op=poll_detail;id=4858 !

Ich habe die Frage auf  XingKM und auf Xing Wissensmanagement gestellt. Vor allem bei XingKM entspann sich daraus eine längere Diskussion.

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2 Responses to “Bundesverband Wissensbilanz gegründet – Totengräber oder Hoffnungsträger?”

  1. Totengräber oder Hoffnungsträger? _ _ oder Belanglosigkeit?

    „Und wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann gründe ich …“ einen Verband.
    Der Bundesverband Wissensbilanz, der auf seiner Website zwar die Partner (Fraunhofer und noch mal Fraunhofer) nennt, aber nicht seinen Vorstand (Fraunhofer), Pressemann (Fraunhofer) oder Geschäftsführer (Fraunhofer), kann sich meiner Ansicht nach auch einer dritten Alternative neben Totengräber oder Hoffnungsträger zuwenden: Belanglosigkeit. Denn was mit der Förderung aus dem Bundesetat nicht gelang und nun bereits die Academy-sierung erträgt (Resterampe? ABM?), ist ja gar nicht zu einer steilen vertikalen Entwicklung verpflichtet.
    Dafür möchte ich ein gewichtiges Argument anführen, welches in der Debatte über die Durchsetzungskraft der Methode „Wissensbilanz“ noch immer selten gesehen wird. Die Strategie für den breiten Roll out der Methode war und ist falsch. Innovationen werden nur dann aufgesogen, wenn sie konkrete, im (Wahrnehmungs-)Feld der Betriebe bekannte und schmerzhaft spürbare Probleme aus dem Weg räumen. Denn in den langen Linien, in denen Wissensbilanzierer sich im Recht sehen, ‚ticken‘ die Betriebe und ihre Leitungen nicht. Oder bildhaft ausgedrückt: Die Wissensbilanz wird an einer Rennstrecke feilgeboten, wo einerseits kaum einer anhalten will und andererseits der prognostizierte ‚Schaden‘ außerhalb der von den Rennfahrern überschaubaren Strecke liegt. Die strategischen Überlegungen zur Verbreitung der Wissensbilanz-Methode müssten starten mit der Frage: Wie sehen die Betriebe ihren Engpass in der Verwertung intellektuellen Kapitals?
    Trotzdem war das Ringen um die Wissensbilanz-Methode bislang richtig und die staatliche Finanzierung eine vorausschauende Unterstützung; doch nun wird alles im Kessel des IPK weitergerührt und das sind versandende Bemühungen. Sie offenbaren eine Unfähigkeit des Bundesverbandes Wissensbilanz, nämlich sich nicht offen an andere Bewegungen in der Szene anzukoppeln und die breite Basis zu suchen. Dies sollte ganz schnell und intensiv bearbeitet werden, damit nur ein Geburtsfehler ist und nicht zum Webfehler wird. (Auch hierfür gäbe es eine schöne statistische Vergleichszahl: Welchen ‚Durchdringungsgrad‘ für das Wissensmanagement hat die Wissensbilanzierung, wenn man nur die Anzahl der Betriebe mit WisensmanagerInnen zu den bilanzierten Betrieben in Beziehung setzt?)
    Insofern bin ich der Ansicht, dass der Verband die Wissensbilanz nicht retten kann/wird; das Tool wird bleiben, auch wenn es wieder und noch mal abgespeckt, umetikettiert und verpulvert wird wie der InCaS-Ableger. Die Positionierung der Wissensbilanz als beliebtes und eingesetztes Tool der Organisationsentwicklung wird in Zukunft von anderen Akteuren getragen werden (müssen), die – bereits winkend – im Blinden Fleck des Fraunhofer Instituts stehen.

  2. Steffen Doberstein sagt:

    Ein Hallo an alle interessierten Leser. Ich hatte die Diskussion parallel auch in XING-Gruppen angestoßen. Wer dort Mitglied ist, kann diese dort weiterverfolgen.
    http://kurzlink.de/KliDqqoz7
    http://kurzlink.de/GLq8dLwWc

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